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Wie Terminkontrakte funktionieren: Margin und Tagesausgleich

Rafael AzevedoRedaktionelle Figur · Ressort Märkte

Kurze Antwort

Ein Terminkontrakt ist eine standardisierte, an der Börse gehandelte Vereinbarung, einen Wert an einem zukünftigen Datum zu einem heute festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Wer handelt, hinterlegt eine Einschusssicherheit (Margin) und erhält oder zahlt jeden Tag die Differenz zwischen dem Abrechnungspreis des Tages und dem des Vortags. Dieser tägliche Ausgleich lässt Gewinn oder Verlust sofort in der Kasse erscheinen, nicht erst bei Fälligkeit.

Terminkontrakte entstanden aus dem Bedürfnis von Getreideproduzenten und -käufern, einen Preis vor der Ernte festzuschreiben. Der Mechanismus funktionierte so gut, dass es heute Futures auf Aktienindizes, Währungen, Zinsen, Öl und Metalle gibt, gehandelt an Börsen wie der B3 in Brasilien und der CME in den USA.

In diesem Leitfaden erklären wir die Bestandteile des Kontrakts und rechnen den täglichen Ausgleich anhand der echten Kurse des Gold-Futures (GC, fortlaufende Serie von Yahoo Finance) zwischen April und Oktober 2026, einem Zeitraum, in dem Gold um fast 14% fiel.

Was ein Terminkontrakt ist

Ein Terminkontrakt ist eine standardisierte Vereinbarung, eine festgelegte Menge eines Werts an einem zukünftigen Datum zu einem heute vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Die Börse legt alles fest, was nicht der Preis ist: Kontraktgröße, Fälligkeitsdatum, Abwicklungsform und Mindestschwankung. Die Teilnehmer handeln nur den Preis.

  • Long (gekauft): Wer den Kontrakt kauft, gewinnt, wenn der Preis steigt.
  • Short (verkauft): Wer verkauft, gewinnt, wenn der Preis fällt, auch ohne den Wert zu besitzen.
  • Standardisierte Größe: Der Gold-Kontrakt der CME entspricht zum Beispiel 100 Feinunzen; jede US$ 1 Veränderung im Unzenpreis ist US$ 100 pro Kontrakt wert.
  • Clearingstelle: Die Börse steht zwischen Käufer und Verkäufer und garantiert die Zahlung beider Seiten.

Wer nutzt sie und wofür

Es gibt zwei Hauptgruppen. Der Hedger will sich absichern: Ein Bergbauunternehmen, das Gold-Futures verkauft, schreibt den Preis seiner Produktion fest; ein Importeur, der Dollar-Futures kauft, schreibt den Wechselkurs fest. Der Spekulant will von der Preisveränderung profitieren und übernimmt dabei das Risiko, das der Hedger abgeben will. Beide sind nötig, damit der Markt liquide ist.

Wie man Margin und täglichen Ausgleich berechnet

Um eine Position zu eröffnen, verlangt die Börse eine Einschusssicherheit (Margin), einen Bruchteil des Kontraktwerts, der als Kaution hinterlegt wird. Sie ist nicht der gezahlte Preis: Sie ist die Einlage, die die Verluste von einem oder zwei schlechten Tagen abdeckt.

Der zweite Bestandteil ist der tägliche Ausgleich. Am Ende jedes Handelstags vergleicht die Börse den Abrechnungspreis des Tages mit dem des Vortags. Wer gewonnen hat, erhält die Differenz in bar; wer verloren hat, zahlt. Die Position sammelt keinen verborgenen Verlust bis zur Fälligkeit an: Er wird Tag für Tag abgerechnet.

Die Formel des Ausgleichs lautet: (heutiger Preis − gestriger Preis) × Kontraktgröße × Anzahl der Kontrakte. Bei einer Short-Position kehrt sich das Vorzeichen um.

Echtes Beispiel: der Gold-Future 2026

Chart: Ouro, täglich, 01.04.2026 bis 07.10.2026. Daten: Yahoo Finance. Eigene Auswertung.
Chart: Ouro, täglich, 01.04.2026 bis 07.10.2026. Daten: Yahoo Finance. Eigene Auswertung.

Der Chart zeigt den Gold-Future vom 1. April 2026, bei US$ 4.813,10 pro Unze, bis zum 7. Oktober 2026, bei US$ 4.140,70. Ein Rückgang von 13,97% im Zeitraum. Das Hoch lag bei US$ 4.917,70 am 17. April, das Tief bei US$ 3.955,40 am 30. Juni. Wir verwenden die Tagesschlusskurse als Näherung für den Abrechnungspreis.

Eine Woche Ausgleich, Schritt für Schritt

Angenommen, 1 Kontrakt (100 Unzen) wird zum Schlusskurs vom 17. April bei US$ 4.879,60 gekauft. Der Kontraktwert beträgt 4.879,60 × 100 = US$ 487.960. An den folgenden Tagen:

  • 20. April: Schluss bei 4.828,80 → (4.828,80 − 4.879,60) × 100 = −US$ 5.080
  • 21. April: Schluss bei 4.719,60 → (−109,20) × 100 = −US$ 10.920
  • 22. April: Schluss bei 4.753,00 → (+33,40) × 100 = +US$ 3.340
  • 23. April: Schluss bei 4.724,00 → (−29,00) × 100 = −US$ 2.900
  • 24. April: Schluss bei 4.740,90 → (+16,90) × 100 = +US$ 1.690

Summe der Woche: −5.080 − 10.920 + 3.340 − 2.900 + 1.690 = −US$ 13.870, genau (4.740,90 − 4.879,60) × 100. Das Ergebnis ist dasselbe, als würde man es nur am Ende berechnen; der Unterschied ist, dass es Tag für Tag aus der Kasse abfließt. Fällt die hinterlegte Margin unter das geforderte Minimum, verlangt der Broker eine Nachschusszahlung, den sogenannten Margin Call, oder schließt die Position.

10. Juni: der schlechteste Tag

Am 10. Juni fiel Gold um 3,57%, von US$ 4.286,40 auf US$ 4.133,30. Für jeden gekauften Kontrakt betrug der Ausgleich dieses einen Tages −153,10 × 100 = −US$ 15.310. Für solche Tage existiert die Margin.

Derselbe Zeitraum aus Sicht der Short-Position

Ein Bergbauunternehmen, das am 1. April 1 Kontrakt bei US$ 4.813,10 verkauft und bis zum 7. Oktober bei US$ 4.140,70 gehalten hätte, hätte an Ausgleichszahlungen (4.813,10 − 4.140,70) × 100 = US$ 67.240 erhalten. Dieser Gewinn kompensiert den Preisrückgang des physischen Goldes, das es verkauft: Das ist der Hedge in Aktion. Wäre der Goldpreis gestiegen, hätte es Ausgleichszahlungen geleistet, aber seine Produktion teurer verkauft.

Wie man Terminkontrakte einsetzt

Zur Absicherung (Hedge)

Wer einem Preis real ausgesetzt ist, etwa als Produzent, Importeur oder Anleger mit einem Aktienportfolio, kann den Future nutzen, um diesen Preis festzuschreiben. Das Ziel ist nicht, mit dem Kontrakt Gewinn zu machen, sondern das Ergebnis vorhersehbar zu machen.

Zur Spekulation

Wer handelt, um von der Preisveränderung zu profitieren, sollte die Positionsgröße nach dem möglichen Verlust bemessen, nicht nach der Margin. Bei Gold bewegte ein einziger Tag 2026 US$ 15.310 pro Kontrakt. Minikontrakte, wie der 10-Unzen-Kontrakt der CME oder der Mini-Index und der Mini-Dollar der B3, existieren genau deshalb, um kleinere Expositionen zu ermöglichen.

Fälligkeit und Rollover

Jeder Kontrakt hat ein Fälligkeitsdatum. Wer die Position halten will, muss den fälligen Kontrakt schließen und den nächsten öffnen, den sogenannten Rollover, der Kosten verursacht und eine Preisdifferenz zwischen den Fälligkeiten haben kann.

Grenzen

Das Beispiel verwendet die fortlaufende Serie von Yahoo Finance, die verschiedene Fälligkeiten zusammenfügt, und die Tagesschlusskurse statt des offiziellen Abrechnungspreises. Die Margin-Werte ändern sich je nach Börse und Volatilität. Die Zahlen beschreiben, was passiert ist, nicht, was passieren wird.

Häufige Fehler bei Terminkontrakten

  • Margin mit Preis verwechseln: Das Risiko bezieht sich auf den gesamten Kontraktwert, im Beispiel fast US$ 488.000.
  • Keine freie Kasse für die täglichen Ausgleichszahlungen lassen und durch einen Margin Call ausgeschlossen werden.
  • Fälligkeit und Rollover vergessen.
  • Volle Kontrakte handeln, wenn die Kontogröße Minikontrakte verlangt.
  • Glauben, der Hedge diene zum Gewinnen: Er dient dazu, den Preis in beide Richtungen festzuschreiben.

Um den Mechanismus zu verinnerlichen, öffnen Sie einen Kontrakt im Demokonto und notieren Sie jeden Tag den Abrechnungspreis und den gutgeschriebenen oder abgebuchten Betrag. Nach ein oder zwei Wochen Protokoll wird die Logik des täglichen Ausgleichs auf eine Weise klar, die keine Erklärung ersetzen kann.

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Rafael AzevedoRedaktionelle Figur · Ressort Märkte

Redaktionelle Figur der Duotide-Redaktion. Die Texte schreibt das Team mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; Kurse und Charts stammen aus echten Marktdaten. Verfolgt die Nachrichten, die Kurse bewegen – Zinsen, Börsen, Unternehmen und Rohstoffe – ohne Fachjargon erklärt.

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